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    Wattenwilerwald



    "Schöner Wald in treuer Hand...
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    Wattenwilerwald



    ...labt das Aug' und schirmt das Land!", sagte schon Gottfried Keller.

Ortsmuseum Wattenwil

Fred und Cécile Zimmermann - Stiftung

Rückblick

Die Gürbe, gestern - heute - morgen

4. April bis 20. September 2009

Marc Imboden schrieb zur Vernissage am 4. April 2009 im Thuner Tagblatt:

Wattenwils launische Gotte

Die älteren Bürger nennen Sie Wattenwils Gotte. Sie bringt seit jeher Leid, Elend und Zerstörung, sorgt aber auch für Arbeit. Nun ist der Gürbe im Ortsmuseum eine ganze Ausstellung gewidmet. Es ist eine Hassliebe, die die Wattenwiler mit ihrer Gürbe verbindet. Bei der Fotoausstellung im Ortsmuseum, die am 22. Februar zu Ende ging, dominierte die Liebe: Die Bürger zeigten ihren Bach von der schönen und romantischen Seite. Bei der neuen Ausstellung stehen die Zerstörungskraft und die Gegenmassnahmen im Zentrum. Zu sehen sind beispielsweise Bilder des legendären Unwetters vom Juli 1990. Damals trat der Bach über die Ufer und walzte alles, was ihm in den Weg kam, nieder, so dass die Gemeinde zum Katastrophengebiet erklärt wurde. Die Besucher erfahren aber auch, was die Menschen seit der Mitte des vorletzten Jahrhunderts taten, um die Gürbe zu bändigen.

Know-How aus Italien

Das begann mit einfachen Massnahmen in der Region Kehrsatz, wo die Gürbe in die Aare mündet, und erreichte Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt. In jener Zeit wurden Italiener aus der Region Bergamo ins Land geholt, um im oberen Gürbegraben die ersten Bachverbauungen zu erstellen. „Seither hat die Arbeit nie aufgehört“, sagt Toni Bähler, Mitglied des Stiftungsrates der Alfred und Cécile Zimmermann-Stiftung, die das Wattenwiler Ortsmuseum betreibt. „Das Gebiet im oberen Gürbegraben ist extrem instabil. Es rutscht unaufhörlich nach unten.“ Wegen der nicht enden wollenden Arbeit an den Verbauungen sei die Gürbe der teuerste Wildbach der Schweiz. Trotz den Anstrengungen zum Schutz der Einwohner. Die Kraft der Natur sei stärker, betont Bähler. „Es ist nicht auszuschliessen, dass es irgendwann zum grossen Knall kommt: Dass ein Bergsturz Teile des Mettlenquartiers unter sich begräbt.“

Die Gürbe sei als Quelle der Angst in der Volksseele eingebrannt. „Aber bei den älteren Einheimischen ist die Gürbe auch als die Gotte von Wattenwil bekannt“, sagt Bähler. „Denn in der Aufbauphase nach jeder Zerstörung gab es für die Einheimischen Arbeit in Hülle und Fülle.“

An der Ausstellung im Ortsmuseum sind auch alte Gerätschaften zu sehen, die bei den Verbauungen zum Einsatz kamen. Auf den Bildern des Wattenwiler Malers Walter Krebs schliesslich kann das Publikum die künstlerische Auseinandersetzung mit der Gürbe beobachten.

 

Marco Wölfli schrieb am 16. April im Berner Landboten:

Die Gürbe im Laufe der Zeit

Das Ortsmuseum Wattenwil präsentiert eine spannende Ausstellung über die Gürbe. Die Gürbe hat Wattenwil stets bewegt. Sie brachte Nutzen für die Bewässerung und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, richtete aber auch Verwüstung durch Hochwasser an. Nun wird die Geschichte und die Zukunft der Gürbe im Ortsmuseum Wattenwil dargestellt. Markus Engeloch ist im Stiftungsrat, der das Museum betreibt, und war lange Mitglied in der Schwellengruppe, die für den Unterhalt der Gürbe verantwortlich war. „Jeder in Wattenwil und im Gürbetal hat Erlebnisse, die ihn mit der Gürbe verbinden. Deshalb ist es ein passendes Thema für die Ausstellung.“ Die Ausstellung ist vielfältig aufgebaut. Im Zentrum steht der Hochwasserschutz, der die Gemeinde an der Gürbe seit Jahrzehnten beschäftigt. Zu sehen sind viele alte Bilder und Gerätschaften der Arbeiter, die im 19. Jahrhundert die Gürbe zähmten. Vielen Wattenwilern ist das Hochwasser von 1990 noch in Erinnerung, das grosse Schäden im Dorf hinterliess. Markus Engeloch möchte in der Ausstellung auch daran erinnern: „Die Leute, die dieses Hochwasser nicht erlebt haben, können erfahren, was die Gürbe anrichten kann.“

Diskutieren im Museum

Engeloch will mit der Ausstellung aber auch Alteingesessene ansprechen. „Wir haben extra einen grossen Tisch in der Mitte. Leute, welche die Gürbe gut kennen, sind herzlich willkommen, von ihren Erlebnissen mit der Gürbe zu erzählen.“ Auch die Gegenwart und die Zukunft haben Platz in der Ausstellung. Schliesslich ist die Hochwassergefahr immer noch ein aktuelles Thema für das ganze Gürbetal. Engeloch ist aber von den alten Plänen und Fotos besonders angetan. „Darauf sieht man was die Vorfahren noch alles mit ihren Händen gemacht haben.“ Dauerhaft zu sehen sind verschiedene Bilder des verstorbenen Wattenwiler Malers Walter Krebs. „Wir haben eine grosse Sammlung von Krebs-Bildern erhalten, die wir gerne passend zur Ausstellung präsentieren“, sagt Stiftungsratspräsidentin Erika Jaun. Wer die Ausstellung im Ortsmuseum besucht, erhält einen spannenden Einblick in die Geschichte des Flusses. Der Besucher erkennt, dass die Gürbe eine weit grössere Bedeutung für Wattenwil hat als es auf den ersten Blick scheinen mag.

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