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    Wattenwilerwald



    "Schöner Wald in treuer Hand...
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    ...labt das Aug' und schirmt das Land!", sagte schon Gottfried Keller.

Ortsmuseum Wattenwil

Fred und Cécile Zimmermann - Stiftung mit Gemäldesammlungen Walter Krebs und Adolf Niederhäuser

Rückblick

Antikes aus Grosis Küche

2. Februar bis 6. Juli 2008

Marc Imboden schrieb zur Vernissage am 30. Januar 2008 im Thuner Tagblatt:

Womit Grosi in der Küche hantierteIntelligente Küchenhilfe gibts zwar schon lange. Trotzdem hatten es unsere Vorfahrerinnen – verglichen mit heute – nicht eben leicht. Das zeigt die Ausstellung „Antikes aus Grosis Küche“ im Ortsmuseum Wattenwil. Kochen und Haushalten ist heutzutage eigentlich ein Kinderspiel: Um die Speisen genau abzuwägen, haben wir benutzerfreundliche und auf das Gramm genaue Waagen mit Digitalanzeige.kueche 1Wir drehen einen Knopf, und die Herdplatte wird warm. Wenn uns nach dem Essen nach einem Kaffee zumute ist – kein Problem: Wir haben ihn bereits fixfertig gemahlen eingekauft. Gesättigt und gestärkt nehmen wir den Wäschehaufen in Angriff, der seit Tagen ungebügelt da liegt und uns jedes Mal vorwurfsvoll anzuschauen scheint, wenn wir vorbei gehen. Blitzschnell füllen wir das Dampfbügeleisen mit Wasser, stöpseln den Stecker in die Steckdose, und schon bald erlischt das Kontrolllicht und zeigt uns an, dass wir loslegen können. Ein Kinderspiel, wie gesagt – unsere Vorfahrerinnen mussten noch erheblich mehr leisten, um unter dem Strich zum selben Resultat zu kommen (die Vorfahren waren damals noch nicht in der Küche anzutreffen).

Worin die Küchenarbeit der Altvorderen bestand, zeigt die Ausstellung „Antikes aus Grosis Küche“, die vom 2. Februar bis 6. Juli im Ortsmuseum Wattenwil im alten Dorfschulhaus neben der Kirche gezeigt wird. Die Exponate stammen aus der Zeit zwischen 1877 und 1935. Sie sind dem Ortsmuseum von einem Sammler aus der Region Thun leihweise überlassen worden. Der Mann möchte anonym bleiben, damit nicht ein anderer Sammler auf die Idee kommt, bei ihm einzubrechen.

Wie ein Fondue-Rechaud funktionierte

Ein Grosi aus alten Zeiten – nehmen wir als Beispiel das Jahr 1900 an – hatte keine einfach zu handhabende Küchenwaage wie wir heute. Ihre Waage bestand aus zwei Behältern und einem Zeiger in der Mitte. Um sie benutzen zu können, musste Grosi mit Gewichtssteinen zwischen einem Gramm und mehreren Kilo hantieren. Diese platzierte sie in der einen Schale, in die andere kam das zu wägende Gut. Als es ans Kochen ging, musste unser Grosi zwar nicht zuerst ein Feuer schüren – diese Stufe der kulinarisch-energietechnischen Entwicklung lag bereits hinter ihr. Aber die Spiritus- und Petrolkocher, die sie benutzte, waren auch nicht ohne: Immerhin mussten sie vor jedem Kochgang gefüllt und angezündet werden. Und während des Garprozesses galt es, mit mehreren Rädchen die Flammen wie bei einem Fondue-Rechaud so genau zu justieren, dass die Suppe weder anbrannte, noch ohne zu kochen vor sich hin zog. Sobald Grosi die hungrigen Mäuler am Tisch gestopft hatte und alles nach Kaffee rief, war weitere Arbeit angesagt. kueche 2Weil die Dose mit den gerösteten Bohnen leer war, warf Grosi ihren mit Petrol betriebenen Haushalt-Röstapparat an, gab eine Handvoll grüner Bohnen ins dafür vorgesehene Fach und rührte sie mit einer Handkurbel stetig um, um eine gleichmässige Röstung zu erzielen. Dann schüttete Grosi die Bohnen in die Handkaffemühle und musste schon wieder im Schweisse ihres Angesichts kurbeln, bis das Pulver fein genug war. Auch das anschliessende Bügeln war ein „Chrampf“: Denn das Bügeleisen wurde mit Kohlen beheizt, die die lästige Eigenschaft hatte, mit der Zeit abzukühlen, so dass unser Grosi das Eisen zwischendurch immer wieder neu aufheizen musste.

So schmeckte Grosis Küche

„Diese Ausstellung ist Nostalgie pur und dürfte besonders bei älteren Besuchern viele Erinnerungen an schöne Zeiten mit dem eigenen Grosi wachrufen“, schreibt der Stiftungsrat der A. + C. Zimmermann Stiftung, die das Ortsmuseum betreut, auf der Homepage der Gemeinde. „Jüngere Besucher werden staunen, was es früher schon für intelligente Küchenhilfen gab.“ Für den Internationalen Museumstag vom 18. Mai ist ein spezieller Anlass geplant: „Unter dem Titel 'Grosis Küche in Aktion' werden wir den Besuchern im Ausstellungsraum ein Gulasch servieren“, verrät Stiftungsratspräsidentin Erika Jaun.

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