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    Wattenwilerwald



    "Schöner Wald in treuer Hand...
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    Wattenwilerwald



    ...labt das Aug' und schirmt das Land!", sagte schon Gottfried Keller.

Ortsmuseum Wattenwil

Fred und Cécile Zimmermann - Stiftung

Rückblick

Wattenwiler Schulwesen

31.10.2010 bis 24.04.2011

Im vorderen Museumsraum, in einer virtuellen Schulstube, wurden verschiedene Schul-Utensilien gezeigt. Auch alte und modernere Schulbücher gab es zu sehen – man ist erstaunt wie mit einfachsten Mitteln früher ausgebildet wurde! Schwerpunkte dieses Ausstellungsteils waren jedoch die Arbeiten von Schülerinnen und Schülern – Hefte und Zeichnungen aus zum Teil längst vergangener Zeit sowie Handarbeiten. Im gleichen Raum hingen 10 „Bilder aus der Schweizer Geschichte“ von Karl Jauslin (1842 – 1904) mit Texten von R. Hotz (1852 – 1917), über die auch in Wattenwiler Schulstuben doziert wurde.

In der einen Vitrine lag das Buch vom Höhlenbewohner „Rulaman“ und seiner Sippe, deren Geschichte unzählige 3. und 4. Klässler von Frau R. Kestenholz und vorher von ihrer Vorgängerin Fräulein Nussbaum immer wieder begeisterte.lehrerin

Szene aus der Ausstellung "Alte Schule".

In der anderen Vitrine erinnerte uns ein Bündel Malerpinsel von Walter Krebs daran, dass er hin und wieder Pinsel an Schüler verteilte, um ihnen sein Handwerk näher zu bringen.

Im hinteren Museumsraum befanden sich 50 von 252 Schulwandbildern, die von 1936 bis 1995 die Klassenzimmer schmückten, den Schülerinnen und Schülern als Arbeitsvorlagen zum Abzeichnen oder Beschreiben dienten – wie mancher Federhalter ist wohl beim Formulieren von Aufsätzen zerkaut worden...? In drei Schaukästen wurden Raritäten aus ganz alter Zeit präsentiert, und es war interessant zurückzuverfolgen, wie seit jeher immer wieder grosse Anstrengungen unternommen wurden, um Kindern und Jugendlichen mit Bild und Text den Weg zum Erwachsenwerden zu erleichtern! Entsprechend unserer Tradition wurde die Ausstellung von mehreren Werken von Walter Krebs umrahmt, welcher in Wattenwil zur Schule ging.

Zur Geschichte der Wattenwiler Schulen

In historischen Schriften stösst man gelegentlich auf die Behauptung, das Berner Patriziat hätte das Volk bewusst nicht schulen wollen, damit die Leute gefügig blieben.

Das Gegenteil war der Fall: Bereits 1628 erliess die Berner Regierung die erste Bernische Landschulordnung:

Es wurde verfügt, dass die „Kirchengüter sollen benutzt werden, und das Chorgericht hat zu überwachen, dass die Eltern ihre Kinder fleissig in die Schule schicken; der Pfarrer hat die Schule einmal wöchentlich zu besuchen und zu 'Ustagen' (im Frühjahr), zusammen mit einer Amtsperson, das Examen abzunehmen.“ 1720 erfolgte die Verordnung, wonach schon die kleinen Kinder im Lesen und Schreiben zu unterrichten waren.

kirche

Das erste Wattenwiler Schulhaus (rechts) mit 2 Schulstuben. Stich von Jakob Samuel Weibel, ca. 1822.

Aus dem Pfarrbericht von 1780 zur Wattenwiler Schule entnehmen wir:

- 2 Klassen im Schulhaus bei der Kirche
- 140 Schüler je Klasse
- Schulzeit im Sommer: alle Samstagvormittage
- Schulzeit im Winter: Ab 9.00 und nach 13.00 Uhr, mindestens 2 Stunden
- Schulplan: Buchstabieren, Lesen, Singen, Schreiben
- Auswendiglernen des Heidelberger Katechismus und einiger Psalmen
- Schulaustritt nach der Konfirmation

Aus jener Zeit wird überliefert:

„Die Schule wird schlecht besucht, weil die Haushaltungen zu arm und die Kinder in der Seidenspinnerei arbeiten müssen. Die Jünglinge müssen im Wald holzen gehen...“ 1806 organisierte die helvetische Regierung – ganz modern – eine Umfrage bei den Gemeinden und Schulmeistern, wie es um die Schule stünde.

Auszug aus dem Fragebogen, den der Wattenwiler Pfarrvikar zuhanden der Regierung beantwortete:

Schulbezirk Wattenwil:

Wieviele Häuser und Seelen umfasst der Schulbezirk?
Oberer Schulbezirk: 124 Häuser, 153 Haushaltungen, 670 Seelen.
Unterer Schulbezirk: 117 Häuser, 160 Haushaltungen, 665 Seelen.
Wie weit entfernt liegt das entlegendste Haus?
Ca. ¾ Std vom Rain herab, wo der Weg im Winter für die Kleinen manchmal ganz schlimm ist.

Schulhaus:

Zweckmässigkeit der Einrichtung?
Für beide Schulen besteht ein Gebäude mit 2 Stuben – ziemlich geräumig, doch zu klein, wenn die gesamte Schuljugend sich einfände.
Wie, von wem, woraus wird es unterhalten?
Der Kirchmeier sorgt für die Unterhaltung desselben aus dem Kirchengut, lässt fleissig reparieren, was fehlerhaft ist. Die Reinigung des Bodens wird alle Samstage nach gehaltener Nachmittagsschule durch zwei Schulmädchen verrichtet.

Schuljugend:

Anzahl Schüler?
Ca. 191 Knaben und 189 Mädchen.
Schulbesuch?
Öfters nicht mehr als 20 bis 30 Kinder.
Gründe für Absenzen?
Langer Schulweg bei schlechtem Wetter, schlechte Kleidung(!), Unfleiss der Kinder, Nachlässigkeit vieler Eltern.

Schulmeister:

Nebenerwerb der Schulmeister?
Der eine ist Chorrichter, der andere Gerichtssäss. Beide besorgen ihre eigenen Güter und Äcker.
Schulbücher, Lehrmethode, Schulzucht?
Keine Schulbücher, ausser dem Neuen Testament und dem Heidelberger Katechismus. Auswendiglernen in Hübners Kinderbibel und der Psalmen gehört zum Privatfleiss. Es wird laut auswendig gelernt und laut im Testament gelesen; gleiche Methode beim Buchstabieren. Die Schulzucht ist nicht die beste.
Sittlichkeit und religiöse Denkart der Schulmeister?
Sie ist exemplarisch, wie sie von Männern, die ihrer Ehrenstellung wegen im Ansehen stehen, gefordert werden kann. Der eine ist Pietist, doch nicht der gefährlichen Art. Er ermahnt fleissig zum Besuch des Gottesdienstes, nur greift er mit seinen Krankenbesuchen zu stark in die Rechte des Seelsorgers ein, wobei er zuweilen mehr schadet als nützt.

Schuleinkommen:

Wieviel? Worin besteht es?
Fr. 66.60 (Geldwert 1932), die Nutzniessung von einer halben Jucharte Allmendland und etwas Holz.
Woher wird es bezogen?
Auszahlung am Schulexamenstag aus dem Kirchengut.

Zustand der Schule:

Stand der Ausbildung?
Über weniges Lesen und Auswendiglernen nach Anweisung der vorhandenen Schulbücher sind sie nicht hinaus.
Wie viele lernen gut lesen, singen, schreiben, rechnen und antworten?
Gut lesen ist selten. Wenige singen; wenn gelernt, singt kaum eines in der Kirche. Schreiben oder eigentlich Buchstaben formieren gelänge einigen Knaben, wenn es mit mehr Fleiss betrieben würde; besonders in der Unterschule hätten sie Gelegenheit, da der Schulmeister ein sehr schöne Handschrift führt, wie man sie auf dem Lande selten antrifft. Rechnen wird gar nicht getrieben. Antworten: Nur selten antwortet ein Kind mit mehr als nur Ja oder Nein. Es fehlt an der Methode.
Einfluss der Schule auf Sittlichkeit und Religiosität?
Sehr wenig, weil man in der Schule kaum etwas gegen Unarten unternimmt.Von Moral wird der Schuljugend nichts gesagt oder höchst wenig.

Auszüge aus weiteren Pfarrberichten:
1833

„Wattenwil ist wohl die einzige Gemeinde im Amte Seftigen, die wenig oder gar nichts für ihre Schule tut, sondern eigenmächtig und den Schulgang nicht wenig hemmend, möchte jeder Hausvater befehlen und gebieten, weil die allermeisten gar keine Schule gewollt hätten und als eine drückende Last sie ansehen.“

„Die Widersetzlichkeit und störrischen Auftritte, die wir hier bei Anlass einer provisorisch eingeführten, obwohl von der Gemeinde seinerzeit genehmigten Oberschule, sowohl von Seiten der Kinder, als der aufreizenden Eltern erlebt haben,
sind Ihnen wohl bekannt...“

1834

„Im Allernotwendigsten ist die Gemeinde so weit zurück, dass man oft Mühe hat, nur einigermassen tüchtige Vorgesetzte zu erhalten. Weniger als hier wird für die Schule wohl nirgends getan, und weniger als hier werden die Kinder wohl nirgends gelehrt und in die Schule geschickt...“

Es werden Schulhäuser gebaut

Trotz dieser Widerwärtigkeiten wurde der Bau eines Schulhauses beschlossen: Im Jahr 1834 wurde das Schulhaus in der Stockeren eingeweiht – das erste moderne Schulhaus Wattenwils!

stockerenschulhaus

Das 1834 erbaute Stockeren-Schulhaus "Stockere Gymnasium" mit Musikgesellschaft Harmonie, aufgenommen im Jahr 1911.

Das Dorfschulhaus

Am 28. April 1858 beschlossen 48 Stimmbürger an der Gemeindeversammlung, im Oberdorf ein neues Dorfschulhaus zu bauen, welches im Jahr 1859 bezogen werden konnte. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde eine Gemeinsame Oberschule (Vorgängerin der Sekundarschule) gegründet; sie wurde im Dorfschulhaus untergebracht. Anfangs der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die Kreuzfirst, welche das Aussehen des Dorfschulhauses viele Jahrzehnte prägte, eingebaut. Am 24. März 1902 beschloss die Gemeindeversammlung, die Frage der Gründung einer Sekundarschule zu prüfen. Am 24. Juni 1902 entschied eine weitere Versammlung, die Sek zu gründen, um sie im Herbst des gleichen Jahres zu eröffnen...!

Weitsichtige Bürger und ausgezeichnete Lehrkräfte hatten allen lokalen Widerständen zum Trotz den Weg für eine bessere Zukunft der Wattenwiler Schulen geebnet.

dorfschulhaus

Das Dorfschulhaus zur Zeit der Sekundarschule, erbaut 1859, an gleicher Stelle wie das oben abgebildete alte Schulhaus.

rainschulhaus alt

Rechts im Bild: Das alte Rainschulhaus

rainschulhaus neu

Neues Rainschulhaus, erbaut 1959, renoviert 1998/99.

mettlenschulhaus

Das 1876 erbaute Mettlenschulhaus.

hagenschulhaus

Das 1938 bezogene Hagenschulhaus.

sekhagen

Das 1962 bezogene Sekundarschulgebäude im Hagen.

laengmatt

Das Längmattschulhaus, seit 1977.

hagenanlage

Schulanlage Hagen, anfangs 21. Jahrhundert.

Quellenhinweise:

„Von der Wattenwilerschule in alter Zeit“, Auszug aus einem Bericht aus dem Jahr 1806 des damaligen Pfarr-Vikars, 1932 von Ernst Schweizer für den Säemann zusammengestellt. Ernst Schweizer war Lehrer in Wattenwil.

Berichte von Adolf Mezener zu den Wattenwiler Schulen. Er war 1906 bis 1937 Pfarrer in Wattenwil.

„300 Jahre Kirche Wattenwil 1683 – 1983“, ein historischer Rückblick von Pfarrer Robert Studer.

Broschüre „100 Jahre Sekundarschule Wattenwil“.

Fotos aus dem Fundus von Lieselotte Kappeler, Wattenwil.

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